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ADI-R Test: das Interview zur Entwicklungsgeschichte

Der ADI-R Test: das Interview zur Entwicklungsgeschichte

Der ADI-R Test, Autism Diagnostic Interview, Revised, ist ein strukturiertes Interview, das nicht mit der betroffenen Person geführt wird, sondern mit einer Bezugsperson, die deren frühe Kindheit kennt. Er bildet zusammen mit dem ADOS-2 den Standard der Autismusdiagnostik.

Dieses Verfahren können Sie hier nicht durchführen. Der ADI-R ist ein kommerzielles Instrument, das umfangreiche Schulung voraussetzt, und ein Interview dauert zwei bis drei Stunden. Diese Seite erklärt, worum es dabei geht.

Warum es ein Interview mit Bezugspersonen ist

Autismus ist eine entwicklungsbezogene Fragestellung. Entscheidend ist nicht nur, wie jemand heute ist, sondern wie sich Sprache, Spiel, Interaktion und Verhalten in den ersten Lebensjahren entwickelt haben.

Diese Information hat niemand über sich selbst. Eigene Erinnerungen an die Zeit vor dem fünften Lebensjahr sind lückenhaft und rekonstruiert. Deshalb wird gefragt, wer dabei war: meist die Eltern, manchmal ältere Geschwister oder andere, die den Alltag miterlebt haben.

Worum es im Interview geht

Der ADI-R umfasst rund 93 Fragen, gegliedert in Bereiche:

  • Frühe Entwicklung. Wann kamen erste Worte, erste Sätze, wie verlief das Spielverhalten, gab es Rückschritte.
  • Sprache und Kommunikation. Sprachgebrauch, Echolalie, Verständnis von Gesten, Erzählen.
  • Soziale Interaktion. Blickkontakt, Reaktion auf andere Kinder, gemeinsame Aufmerksamkeit, Trost suchen und geben.
  • Wiederholtes Verhalten und Interessen. Routinen, Sonderinteressen, Bewegungsmuster, Reaktion auf Veränderung.

Ein wichtiger Teil bezieht sich ausdrücklich auf das Alter zwischen vier und fünf Jahren, weil in diesem Zeitraum die diagnostisch relevanten Unterschiede am deutlichsten sind.

Das Problem bei Erwachsenen

Für Erwachsene ist der ADI-R oft schwierig durchzuführen, und zwar aus praktischen Gründen:

  • Eltern sind verstorben, nicht erreichbar oder es besteht kein Kontakt.
  • Die Erinnerung an vierzig Jahre zurückliegende Details ist unzuverlässig.
  • Erinnerungen werden nachträglich umgedeutet, in beide Richtungen.

Manche Diagnostikstellen arbeiten deshalb mit Ersatzquellen: Schulzeugnisse, Kinderuntersuchungshefte, alte Videos, Berichte von Geschwistern. Wenn Sie eine Abklärung planen, lohnt es sich, solches Material vorher zusammenzusuchen.

Wenn Sie eine Abklärung anstreben, fragen Sie früh, ob eine Bezugsperson einbezogen werden kann, und wenn ja, wer. Das ist häufig der Punkt, an dem Diagnostik bei Erwachsenen stockt.

ADI-R und ADOS-2 zusammen

Die beiden Verfahren beantworten unterschiedliche Fragen. Der ADOS-2 Test beobachtet Verhalten jetzt, der ADI-R rekonstruiert Entwicklung damals. Erst zusammen ergeben sie das Bild, auf dem eine Diagnose beruht.

Keines von beiden ist ein Screening. Davor stehen Selbsttests wie der RAADS-R Test Deutsch, der Autismus-Test für Erwachsene oder der AQ-50 Test, die klären, ob der Weg in die Diagnostik sich lohnt.

Diese Seite beschreibt ein Verfahren, sie führt es nicht durch. Wie Screening-Werte einzuordnen sind, erklärt die RAADS-R Test Auswertung.

Quellen

  • Rutter M, Le Couteur A, Lord C. Autism Diagnostic Interview, Revised (ADI-R). Western Psychological Services. wpspublish.com
  • Literatur zur Anwendung bei Erwachsenen ohne verfügbare Bezugspersonen: PubMed-Suche